Waldbröler:innen geraten ins Visier der extrem rechten QAnon-Sekte

Die extrem rechte QAnon-Sekte hat auch viele Anhänger:innen im Oberbergischen, wie jetzt eine AROB-Recherche ergeben hat. Die QAnon-Verschwörungsideologie basiert auf der wahnhaften Überzeugung, dass eine „zionistische“/“satanische“ weltweite Elite Kinder entführe, foltere und ermorde, um aus dem Blut ein Verjüngungsserum zu gewinnen. Gedeckt werde diese Elite von einem „Deep State“, gegen den abtrünnige Teile des US-Militär kämpfen.

Nun sind einige Waldbröler:innen ohne eigenes Zutun und Wissen in das Visier der QAnon-Gläubigen geraten. Auslöser hierfür war ein Posting in einer Diskussionsgruppe des Telegram-Messengers. Diese Telegram-Gruppe hat rund 50.000 Abonnent:innen, darunter offenkundig auch zahlreiche Personen aus dem Oberbergischen.

Es beginnt am 9. August mit der Veröffentlichung von Fotos u.a. von einer Hofauffahrt eines Privathauses in einem Waldbröler Ortsteil. Zu sehen ist u.a. ein Bobbycar, das an einem Zaun hängt, und ein Schild mit dem Gesicht eines Pandabären. In der wirren QAnon-Vorstellungswelt sind u.a. dies Symbole bzw. Indizien für „Pädokriminalität“, in der Telegram-Gruppe wird bundesweit nach „Pädokriminellen“ „gefahndet“. Es folgen mehrere weitere Postings und hunderte Diskussionsbeiträge – zahlreiche Chat-Teilnehmer:innen gelangen offenbar zu der Überzeugung, dass in dem Haus in Waldbröl Kinder gefangen gehalten und gefoltert werden. Die Namen und die Adresse der Bewohner:innen und Satellitenbilder des Grundstücks werden veröffentlicht. Während einige darauf hoffen, dass die „White Hats“ (die angeblich geheime Fraktion des US-Militärs) sich der Sache annimmt, wollen andere selbst „aktiv“ werden. Diskutiert wird u.a. die Observation des Grundstücks mit Drohnen oder Wildkameras. Einige Chat-Teilnehmer:innen kündigen an, an dem Haus „vorbeizufahren“. „Da wäre mal ein Hausbesuch angesagt!“, „Lasst uns die Buden Abfackeln“, „Bude anzünden“, „Hängt sie Höher werden wir Rufen“ und „Ich denke auch wer solche abscheulichen Verbrechen begeht, hat definitiv sein Leben verwirkt“ usw. schreiben andere.

Auch das Panarbora und die Waldbröler Bürgermeisterin Larissa Weber werden von den Chat-Teilnehmer:innen verdächtigt, Teil des „pädokriminellen“ Netzwerks zu sein.

Es steht zu befürchten, dass es nicht bloß bei Worten bleibt und radikalisierte Anhänger:innen des QAnon-Verschwörungsglaubens Gewalt bis hin zu terroristischen Aktivitäten insbesondere gegen die Bewohner:innen des Hauses in dem Waldbröler Ortsteil ausüben. Daher sind wir am 11. August anonym an ein Mitglied des Kreistages herangetreten und gehen davon aus, dass zwischenzeitlich die Kreispolizeibehörde Kenntnis von der Bedrohungslage hat und entsprechende Maßnahmen ergreift.

3 Kommentare zu „Waldbröler:innen geraten ins Visier der extrem rechten QAnon-Sekte

  1. Hat dies auf Metaminimum rebloggt und kommentierte:
    In den USA, genauer gesagt in Kalifornien, hat ein Vater, der QAnon-Anhänger ist, seine eigenen Kinder nach Mexiko entführt und getötet, weil er in dem festen Glauben war, die Mutter hätte ihr „Schlangen-DNA“ an die Kinder vererbt https://www.nbcnews.com/news/us-news/california-dad-killed-his-kids-over-qanon-serpent-dna-conspiracy-n1276611?fbclid=IwAR2PcVGtZ4cvzJzQJyzTM3ICeYHmYRWpmiPX0wwqnes2lErX2RxU4uCrU_Q
    Auch hier in Deutschland scheint es für den Wahn dieser antisemitischen Sekte immer weniger Grenzen zu geben.

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